Wir hatten alle ein Problem: Wir wurden unfertig geboren und waren einer Situation großer Hilflosigkeit ausgesetzt. Selbst die liebevollsten Eltern konnten nicht zu jeder Zeit präsent sein und uns immer genau das geben, was wir gerade brauchten. So lernten wir früh, dass wir hilflose Wesen sind. In uns wuchs ein Wunsch, der größer war als alle anderen: Wir wollten groß werden, damit wir nicht mehr so hilflos sind, wie wir uns als kleine Winzlinge fühlten.
Wir erinnern uns an das erste Mal selbständiges Fahrradfahren, den ersten Sprung vom 3-Meter-Brett, den ersten Kuss, die erste Zigarette. Das war wie ein Versprechen: wir werden auch mal groß sein. Damit besiegen wir die Hilflosigkeit in uns.
Um aus dem Grunddilemma der gefühlten Hilflosigkeit heraus zu kommen, haben die Menschen zwei unterschiedliche Strategien entwickelt. Die einen setzten auf den Schutz der Herde. Sie organisieren sich wie ein Schwarm Fische, der um sich selber herum kreist und in dem alle füreinander sorgen. Schutz und Geborgenheit werden geboten und erwartet. Die anderen setzen auf Freiheit. Sie wollen sich vollkommen unabhängig machen und können alles selber, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie lieben es ins Ungewisse zu segeln und glauben an die eigene Unbesiegbarkeit.
Als Kinder lernen wir in der Regel beide Pole kennen und probieren sie aus. Da ist der Vater, der das kleine Kind anfeuert, noch höher zu schaukeln, und die Mutter, die es davor warnt, nicht herunterzufallen und es lieber sieht, wenn es sich moderat verhält. Je nach unserem Umfeld und unserer Veranlagung werden wir unseren Lebensweg zwischen diesen beiden Polen, Sicherheit der Familie oder Freiheit und Autonomie, wählen.
Wenn Sie möchten, können Sie sich anhand des hier hinterlegten PDFs eine Seite herunterladen, in der Sie die Stationen ihres Lebens eintragen. Beginnen Sie in der unteren linken Ecke und zeichnen sie für jedes Ereignis, an das Sie sich noch erinnern, ein Kreuz auf das Blatt. Auf der linken Seite sind Altersangaben vorgegeben. Entscheiden Sie, ob Sie es eher auf der Seite der Sicherheit (links) oder der Autonomie (rechts) erlebten. Manches bleibt auch neutral in der Mitte.
Ist ihr Lebensweg ausgewogen? Haben Sie auf beiden Seiten starke Erlebnisse? Oder tendieren Sie eindeutig zu einer Seite, auf der Sie sich wohl fühlen?
Es geht dabei nicht um Bewertung. Jeder Lebensweg ist ein guter Weg. Es geht darum zu verstehen, zwischen welchen Kräften (in diesem Fall die beiden Pole Sicherheit und Autonomie) unser Leben verläuft.
Wenn Sie in Ihrem Leben viel auf Autonomie verzichten mussten, wir das Verlangen danach vielleicht sehr groß. Umgekehrt kann die Sehnsucht nach einem Nest wachsen, wenn man die Freiheit in vollen Zügen genießen konnte.
Ich veröffentliche dies hier um Ihnen die Art zu zeigen, wie ich mit meinen Klienten arbeite. Ich erarbeite die primär wirkenden Kräfte, die jeden von uns im Leben steuern. Es stellt keine Anleitung zum Selbstcoaching dar.